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Berichte und Meldungen


Regionale Produkte unökologisch? Vorteile jenseits der Klimabilanz beachten

15.04.2009 | Proplanta ®

Berichte über die ökologischen Nachteile regionaler Produkte führten zur Verunsicherung unter Verbrauchern. So sollen im Frühjahr hiesige Äpfel aufgrund der zur Kühlung notwendigen Energie nach so langer Lagerung eine schlechtere Klimabilanz aufweisen als importierte Äpfel von der Südhalbkugel unserer Erde.

Das Informationsportal für Landwirtschaft unter www.proplanta.de widerlegt dies und wird darin vom Freiburger Öko-Institut bestätigt.


Kurze Wege zum Verbraucher: Sind Lebensmittel aus der Region eine nachhaltige Alternative?

28.11.2003 | TU München

Wissenschaftler der TU München haben in einem Vergleich einen Warenkorb mit regionalen Produkten einem solchen mit überregionalen Produkten gegenübergestellt. Die Ökobilanz zeigt, dass der regionale Warenkorb beim Transport nur ein Drittel der Energie benötigt, die Lärmbelastung sinkt um mehr als die Hälfte und die Straßenbeanspruchung wird um zwei Drittel reduziert.


Buchtipps


Alisa Smith und J.B. MacKinnon:
"The 100-Mile Diet: A Year of Local Eating" (Canada & Australia Edition)
"Plenty: Eating Locally on the 100-Mile Diet" (US Edition)

Die Autoren schildern ihren Selbstversuch in regionaler Ernährung. Sie leben in Vancouver und haben sich einen Radius von 100 Meilen gesetzt. Dabei sind sie wirklich konsequent und verzichten ein Jahr lang auf alle Lebensmittel, die nicht aus diesem Umkreis kommen.

Ausgangspunkt für die Autoren waren Untersuchungsergebnisse, dass das Essen von Nordamerikanern durchschnittlich 1500 Meilen zurückgelegt hat, bevor es auf dem Teller landet. Das ist nicht nur ein ökologischer Irrsinn, sondern führt auch zu einer Entfremdung von den Lebensmitteln, zu mangelnder Wertschätzung (und u.a. deshalb auch zu übermäßigem Fleischkonsum), zu einer Verarmung der Ernährungsvielfalt sowie zur Unterstützung unsozialer und umweltschädlicher Produktionsmethoden.

Die beiden Autoren beginnen ihren Selbstversuch mit dem Frühlungsanfang, einer Zeit noch ohne frische landwirtschaftliche Produkte. Deshalb ist die Ernährung anfangs stark Kartoffel-lastig, ergänzt vor allem durch andere lange lagerfähige Gemüse.
Im Mai öffnet endlich der erste "Farmer's Market" in Vancouver und nun kommen frische Produkte auf den Tisch. Außerdem suchen die beiden aktiv in ihrem 100-Meilen-Radius nach landwirtschaftlichen Erzeugern und Verarbeitern und lernen so nicht nur viele interessante Menschen, Produktionsnischen an unerwarteten Orten und neue Geschmackserlebnisse kennen, sondern erhöhen auch die Vielfalt in der Küche erheblich. Manche Produkte sind allerdings wirklich schwer zu finden: So gelingt es ihnen erst im November, einen Weizenbauern ausfindig zu machen.

In weiser Voraussicht auf die Wintermonate setzen die beiden Autoren auf althergebrachte Techniken der Haltbarmachung wie Trocknen, Einwecken und die Sauerkrautherstellung. Dafür sowie für viele interessante Rezepte vertrauen sie auf das Buch "Good Housekeeping Cook Book" von 1944, welches Alisa von ihrer Großmutter bekommen hatte.

Als Ergebnis ihres Experiments haben die Autoren bewiesen, dass regionale Ernährung möglich ist und nicht zu Mangelerscheinungen führt. Durch frischere Produkte in größerer Vielfalt, die meistens auch noch als Bio bezeichnet werden können, sehen sie sogar eine deutliche Verbesserung in ihrer Ernährung.
Selbst in finanzieller Hinsicht fährt man mit regionalen Produkten nicht schlechter, häufig sind sie sogar günstiger. Was man allerdings in Kauf nehmen muss, ist ein höherer Zeitaufwand für den Einkauf und vor allem für die Zubereitung der Speisen, da keine vorgefertigten Produkte verwendet wurden und stattdessen alles "from the scratch" gekocht bzw. selbst haltbar gemacht werden muss.

Das Buch von Alisa und James ist wirklich lesenswert. Zum einen natürlich wegen der vielen Einblicke in nordamerikanische Ernährungsgewohnheiten, die jeden zum Nachdenken über seine eigenen anregen sollten. Ebenso wird auf zweifelhafte Produktionsmethoden hingewiesen und auf den Verlust an Vielfalt in der globalisierten Nahrungsproduktion aufmerksam gemacht.
Was das Buch aber außerdem auszeichnet ist die sehr persönliche, engagierte und dadurch mitreißende Schreibweise. Alisa und James haben abwechselnd aus ihrer Sicht ein Kapitel zu jeweils einem Monat des Experiments geschrieben und dabei auch sehr persönliche und zwischenmenschliche Erfahrungen nicht ausgespart. Deshalb wird das Buch nicht zu einer missionarischen Brandschrift, sondern zu einer sehr offenen Darstellung der Erlebnisse der beiden Autoren und gerade dadurch sehr überzeugend.

 

Cover 100-Mile-Diet

US- (links) und Kanada-Ausgabe (rechts)

Das Buch kann z.B. beim kanadischen Ableger eines großen Internet-Buchhändlers erworben werden. Versand dauert ca. 4 Wochen.

 

Neben dem Buch haben die Autoren ihre Erfahrungen ebenfalls in einem Blog dokumentiert. Dies war der Startpunkt für eine Internetseite, die sich ganz dem Thema regionaler Ernährung widmet.

 

Daneben gibt es weitere englischsprachige Seiten, die sich dem Thema regionaler Ernährung widmen.


Andreas Hoppe:
"Allein unter Gurken"

Der Autor schildert seinen Selbstversuch, sich soweit wie möglich von Produkten aus einem Umkreis von höchstens 100 Kilometern zu ernähren. Weitere, allerdings nachgeordnete Kriterien, sind Bio-Qualität und bei Produkten, die regional nicht vorkommen, der Faire Handel.

Die Umsetzung dieses Planes geschieht an seinen zwei Wohnorten in unterschiedlicher Weise: Auf dem Lande, in der Uckermark, zieht Andreas Hoppe im eigenen Garten Gemüse und Obst nach Kriterien des ökologischen Landbaus. Auf den Märkten in der Umgebung und von Produzenten im näheren Umkreis werden zudem sehr viele regionale und oft auch Bio-Lebensmittel angeboten. Aber auch in der Großstadt, in Berlin, findet er umfangreiche Möglichkeiten, sich regional und oft auch in Bio-Qualität zu ernähren. Viele Bioläden sind auch dem Gedanken der Regionalität verbunden, ebenso manche Großbäckerei, ein Kräuterzüchter und zwei türkische Eishersteller, denen Andreas Hoppe bei seinem Projekt begegnet.

Für Einsteiger in den Bereich der Regionalen Produkte gibt dieses Buch einen guten Überblick über die verschiedenen Aspekte und Auswirkungen unseres Konsums, über die Schwierigkeiten regionaler Ernährung und über die diversen Fallstricke, die bei manchen Zertifikaten, Produktionsmethoden und Herstellerversprechen lauern.
Für Berliner kann es zudem stellenweise als Einkaufsführer für regionale und Bio-Produkte dienen.

 

Cover Allein unter Gurken

erschienen im Pendo-Verlag